In der digitalen Transformation sind Wertströme zentral, jedoch behindert die Suche nach „Flow Efficiency“ oft die Ressourcenauslastung. Das Bild einer Autobahn verdeutlicht, dass Überfüllung und Prioritätenverwirrung Staus verursachen. Dedizierte Ressourcen sind entscheidend für Fokus und Effizienz. Entweder Fluss oder maximale Auslastung, beides gleichzeitig führt zu Problemen.

Die Autobahn des Fortschritts – Warum gute Absichten oft im Stau enden

In der digitalen Transformation hört man oft von Wertströmen. Der Gedanke ist bestechend:
Arbeit fließt – ohne Umwege, ohne Reibung – vom Ursprung bis zum Kunden.
Doch in der Praxis kollidiert dieser Wunsch nach „Flow Efficiency“ oft mit einer alten Bekannten: der Ressourcenauslastung.

Was auf dem Papier hybrid und sinnvoll klingt, entpuppt sich im Alltag als lähmender Widerspruch.
Und genau hier hilft ein Bild, das wir alle kennen:
Die Autobahn.

Die Autobahn als Metapher für Value Streams

Stell dir eine mehrspurige Autobahn vor.
Sie ist gut ausgebaut, klar strukturiert – die Spuren sind die Value Streams.
Auf ihnen fahren Projekte, Features, Initiativen. Jedes Fahrzeug steht für eine Investition, die sich auf den Weg zum Kunden macht.

Das Ziel ist klar: Wert schnell und zuverlässig liefern.

Wenn alles richtig dimensioniert ist, läuft der Verkehr.
Die Teams – unsere Fahrer – wissen, wohin sie steuern.
Sie arbeiten fokussiert, ohne dauernd die Spur oder das Fahrzeug wechseln zu müssen.


Wenn gute Absichten zur Staubremse werden

Und dann passiert das, was so oft passiert:
Wir sehen Lücken auf der Autobahn.

Ein Team hat gerade weniger zu tun. Eine Ressource ist „nicht voll ausgelastet“.
Also schieben wir schnell ein weiteres Fahrzeug auf die freie Spur. Oder noch eines.
Weil wir effizient sein wollen. Weil wir jede Minute nutzen wollen.

Doch genau hier passiert der Bruch:

Was als Fluss gedacht war, wird zur Flut.
Was effizient wirken soll, führt zum Stau.

Teams verlieren Fokus. Ressourcen springen zwischen Streams. Prioritäten vermischen sich.
Der Wertstrom bricht zusammen.


Der Unterschied zwischen Stau und echten Notfällen

Natürlich gibt es auf jeder Autobahn auch Sonderfälle:

  • Ein Krankenwagen mit Blaulicht, der durchgelassen werden muss.
  • Ein Pannenfahrzeug, das stehen bleibt und Hilfe braucht.

Diese Situationen sind real und wichtig.
In unseren Organisationen entsprechen sie zum Beispiel kritischen Security Incidents oder regulatorischen Anforderungen.
Sie brauchen klare Regeln für Vorrang und Hilfe – und ein System, das darauf vorbereitet ist.

Doch:

Wenn jedes Projekt Blaulicht montiert,
oder wir bei jedem Leerlauf gleich eingreifen,
dann steht irgendwann alles still.

Denn:

  • Jeder möchte plötzlich Vorrang.
  • Jeder greift auf jedes Team zu.
  • Und niemand kommt mehr ans Ziel.

Warum dedizierte Ressourcen der Schlüssel sind

In einem echten Value Stream arbeiten Menschen stabil und dediziert.
Sie kennen ihre Route, ihr Ziel und das Tempo.
Sie bauen Tiefe und Geschwindigkeit auf – und Verantwortung.

Wenn Mitarbeitende hingegen zwischen mehreren Streams springen, verlieren sie:

  • Fokus
  • Geschwindigkeit
  • und oft auch Motivation

Laut dem Lean Enterprise Institute brechen Systeme mit >80% Auslastung fast immer im Durchfluss ein.
McKinsey spricht von bis zu 40% Produktivitätsverlust durch Kontextwechsel.
Und eine Harvard Business Review-Studie zeigt:

Fragmentierung kostet nicht nur Zeit – sondern den Blick auf das Ganze.


Der Preis der Pipeline

Noch ein Aspekt wird oft übersehen:
Jedes Auto auf der Autobahn kostet Geld.

Wenn ein Feature, eine Idee, ein Projekt gestartet – aber nicht fertiggestellt wird, dann ist das nicht neutral.
Es ist Blockadekapital:

  • Die Kosten wurden verursacht.
  • Die Teams haben investiert.
  • Aber der Nutzen ist noch nicht angekommen.

In einer Welt, in der Time-to-Market entscheidend ist, bedeutet das:
Bezahlte Leistung ohne Nutzen ist verlorener Wert.


Fazit: Mut zum Fluss – und zur Lücke

Wir müssen uns fragen:

  • Wollen wir Fluss? Dann müssen wir Leerlauf akzeptieren und schützen.
  • Wollen wir maximale Auslastung? Dann akzeptieren wir langsame Lieferung und Stau.

Beides gleichzeitig funktioniert selten – zumindest nicht dauerhaft.

Denn eine Autobahn, auf der jeder ein Blaulicht montiert und jede Lücke vollgestopft wird, ist keine High-Performance-Strecke.
Sie ist ein stehender Parkplatz mit Übersteuerung.


Quellen