Es gibt viele Stimmen, die behaupten, Agilität sei tot. Vielleicht haben sie recht. Zumindest, wenn man sich anschaut, wie Unternehmen heutzutage oft mit Agilität umgehen. Viele betrachten Frameworks wie SAFe (Scaled Agile Framework) als die ultimative Lösung, um Agilität in ihrer Organisation zu etablieren. Doch genau darin liegt das Problem. SAFe als Einstieg, nicht als…

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Agilität ist tot? – Warum SAFe nicht das Ziel, sondern nur der Anfang ist

Es gibt viele Stimmen, die behaupten, Agilität sei tot. Vielleicht haben sie recht. Zumindest, wenn man sich anschaut, wie Unternehmen heutzutage oft mit Agilität umgehen. Viele betrachten Frameworks wie SAFe (Scaled Agile Framework) als die ultimative Lösung, um Agilität in ihrer Organisation zu etablieren. Doch genau darin liegt das Problem.

SAFe als Einstieg, nicht als Endpunkt

SAFe kann zweifellos ein mächtiges Werkzeug sein, vor allem für Organisationen, die tief in hierarchischen Strukturen und Wasserfall-Denkmustern verhaftet sind. Es bietet eine klare Anleitung, wie man agiles Arbeiten skaliert und auf verschiedene Ebenen einer Organisation anwendet. Aber SAFe ist kein Allheilmittel – und schon gar nicht das Ende der agilen Reise.

SAFe hilft Unternehmen, neue Denkweisen und Arbeitsmethoden zu erlernen. Es bricht Silos auf, schafft Transparenz und fördert Zusammenarbeit. Doch hier beginnt der entscheidende Punkt: SAFe ist ein Framework, das Organisationen helfen soll, den Übergang zu Agilität zu schaffen – nicht, um dort stehen zu bleiben. Wenn Unternehmen glauben, dass die Einführung von SAFe ausreicht, um agil zu sein, verfehlen sie den Kern der Agilität.

Agilität als kultureller Wandel

Echte Agilität ist keine Methode, kein Framework und auch kein Projekt, das abgeschlossen werden kann. Sie ist eine Haltung, eine Kultur. Und Kulturen entwickeln sich ständig weiter. Das Problem vieler Unternehmen ist, dass sie Agilität auf eine Liste von Prozessen und Tools reduzieren. Sie setzen SAFe ein, füllen die Rollen und Events mit Leben und denken, sie seien nun agil. Dabei bleibt das eigentliche Ziel – die kontinuierliche Anpassungsfähigkeit und Fokussierung auf den Kunden – oft auf der Strecke.

Agilität bedeutet, sich ständig zu hinterfragen, zu lernen und weiterzuentwickeln. Unternehmen, die in ihrer SAFe-Blase verharren, riskieren, in alte Muster zurückzufallen, sobald der äußere Druck nachlässt. Die Gefahr: Man übernimmt zwar die Struktur, bleibt aber innerlich in hierarchischen Denkmustern und Kontrollmechanismen gefangen.

Der nächste Schritt nach SAFe

SAFe kann eine Organisation nur bis zu einem bestimmten Punkt bringen. Danach müssen Unternehmen den Mut haben, das Framework zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln. Es geht darum, die agilen Prinzipien auf alle Bereiche der Organisation auszudehnen – und vor allem, die Unternehmenskultur zu verändern.

Fokus auf Werte statt Frameworks: Unternehmen müssen sich darauf konzentrieren, warum sie agil sein wollen. Es geht nicht um die Einführung eines Frameworks, sondern um die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, Innovationen zu fördern und echten Mehrwert für Kunden zu schaffen.

Führungskräfte als Kulturwandler: Führungskräfte müssen sich vom klassischen Kontrolldenken verabschieden und zu Enablern werden. Sie müssen Teams befähigen, autonom Entscheidungen zu treffen und aus Fehlern zu lernen.

Agilität als Lernreise: Der Wandel hin zu echter Agilität erfordert Geduld und Beharrlichkeit. Es ist eine Reise, die niemals endet, weil sich die Umwelt und die Anforderungen ständig ändern.

Fazit: Agilität lebt, wenn wir sie leben

Ja, Agilität ist tot – wenn wir sie als starres Framework verstehen. Doch sie lebt weiter, wenn wir sie als kontinuierlichen Wandel betrachten, der tief in der Unternehmenskultur verankert ist. SAFe kann ein Einstieg sein, ein erster Schritt, um Denkweisen und Prozesse zu verändern. Aber echte Agilität entsteht erst, wenn Unternehmen den Mut haben, über SAFe hinauszugehen, alte Muster radikal zu hinterfragen und eine Kultur des Lernens, Experimentierens und gemeinsamen Wachstums zu schaffen.

Agilität stirbt nur dort, wo sie aufhört, sich selbst zu hinterfragen.