Kennst du das? Eine Idee wird geboren, ein Produkt soll entwickelt werden – und plötzlich scheint jeder eine Meinung zu haben. Stakeholder kommen mit einer Flut an Wünschen, Ideen und „nice-to-haves“. Am Ende entsteht ein Tool, das nicht mehr den Bedürfnissen der Nutzer entspricht, sondern zu einem überladenen Monster mutiert.
Das Bild oben beschreibt diese Herausforderung perfekt: Links siehst du ein einfaches, nutzerzentriertes Produkt – wie ein Schweizer Taschenmesser, das die essenziellen Bedürfnisse abdeckt. Rechts zeigt sich, was passiert, wenn Stakeholder-Wünsche ungefiltert umgesetzt werden: ein unhandliches Chaos.
Die Gefahr von „Feature Overload“
Stakeholder-Wünsche sind wichtig, keine Frage. Aber oft verlieren wir den Fokus. Wenn wir alle Wünsche erfüllen, wird aus einem klaren, funktionalen Produkt ein unübersichtliches und schwer nutzbares System. Feature Overload schreckt Nutzer ab, erhöht die Komplexität und verlängert Entwicklungszeiten – ohne echten Mehrwert zu schaffen.
Wishes vs. Requirements
Die Lösung liegt darin, zwischen Wishes (Wünschen) und Requirements (Anforderungen) zu unterscheiden. Hier sind drei Fragen, die helfen können:
- Was ist der Kernnutzen des Produkts? Fokus auf das Problem, das wir lösen wollen – aus Sicht der Nutzer.
- Wer ist der wichtigste Nutzer? Produkte für alle werden schnell Produkte für niemanden. Priorisiere die Bedürfnisse der Hauptnutzer.
- Welchen Mehrwert bringt dieses Feature wirklich? Jedes Feature, das keine klare Antwort auf diese Frage liefert, gehört nicht in die erste Version.
Wie du als Product Owner oder Manager den Überblick behältst
Als Product Owner oder Product Manager bist du in einer Schlüsselposition, um den Fokus auf die Nutzerbedürfnisse zu wahren. Doch wie kannst du diese Rolle aktiv gestalten? Hier ein paar Tipps:
- Setze klare Prioritäten: Nutze Methoden wie MoSCoW (Must-have, Should-have, Could-have, Won’t-have) oder einen Value vs. Effort Matrix, um Stakeholder-Wünsche zu priorisieren. Transparenz ist hier entscheidend: Zeige klar auf, warum manche Ideen warten müssen.
- Verstehe die Nutzerbedürfnisse tiefgehend: Investiere Zeit in User Research. Workshops, Interviews oder User Story Mapping helfen dir, die echten Probleme der Nutzer zu verstehen – und damit eine Argumentationsgrundlage für Entscheidungen zu schaffen.
- Kommuniziere proaktiv mit Stakeholdern: Stakeholder wollen gehört werden. Aber es ist deine Aufgabe, die Balance zu finden. Lade sie zu Reviews oder Backlog-Grooming ein und erkläre, warum der Fokus auf die Nutzer das Projekt langfristig erfolgreicher macht.
- Schaffe ein gemeinsames Zielbild: Nutze Product Vision Statements oder North Star Metrics, um alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Das hilft, Wünsche von Anforderungen zu trennen.
- Teste früh und iterativ: MVPs (Minimum Viable Products) sind dein bester Freund. Zeige Stakeholdern und Nutzern, wie das Produkt schrittweise wächst. Das baut Vertrauen auf und reduziert den Drang, alles sofort umzusetzen.
- Sag auch mal „Nein“ – und erkläre warum: Ein „Nein“ ist oft genauso wertvoll wie ein „Ja“. Begründe deine Entscheidungen klar und sachlich, immer mit dem Nutzer im Fokus. Stakeholder verstehen eher, warum ein Feature nicht passt, wenn sie sehen, dass es auf Fakten basiert.
Zurück zu den Basics
Am Ende geht es darum, klare Prioritäten zu setzen und den Nutzer ins Zentrum zu stellen. Wünsche können inspirieren, aber Anforderungen leiten uns. Deine Aufgabe als Product Owner oder Manager ist es, die Balance zu halten – zwischen den Stakeholder-Ideen und dem, was die Nutzer wirklich brauchen.
So sorgst du dafür, dass deine Produkte nicht nur beeindruckend aussehen, sondern vor allem das tun, was wirklich zählt: die Bedürfnisse der Nutzer erfüllen.