In Geschichten von Superhelden und Bösewichten zeigt sich ein klares Muster: Die Helden kämpfen darum, die Welt so zu bewahren, wie sie ist, während die Bösewichte versuchen, radikale Veränderungen herbeizuführen. Dieser Erzählstrang zieht sich durch viele moderne Filme und Geschichten – von der Comic-Welt (Marvel, DC, etc.) bis hin zu epischen Fantasy-Werken wie „Der Herr der Ringe“. Am Beispiel von „Ringe der Macht“; Sauron oder Morgoth wollen die bestehende Ordnung stürzen und eine neue Welt nach ihren Vorstellungen erschaffen. Auf der anderen Seite stehen die Helden, die sich für den Erhalt der bestehenden Ordnung einsetzen. Dieses Bild prägt nicht nur unsere popkulturelle Wahrnehmung von Gut und Böse, sondern hat auch tiefere Wurzeln in unserer Gesellschaft und unserem Umgang mit Veränderung.
„Bösewichte wollen immer den Untergang der Welt und alle unterjochen, sie schaffen immer eine Welt des Chaos und Mord und Totschlag ist das Mittel dazu.“
Überträgt man dieses Prinzip auf die Unternehmenswelt, wird deutlich, dass Transformation und Wandel oft als Bedrohung wahrgenommen werden. Diejenigen, die den Status quo infrage stellen und Innovation vorantreiben, werden schnell als Rebellen oder gar „Bösewichte“ abgestempelt. Doch warum ist das so? Und warum fällt es uns so schwer, Veränderung zu akzeptieren?
Das menschliche Bedürfnis nach Stabilität
Der Mensch hat ein tiefes, psychologisches Bedürfnis nach Stabilität und Vorhersehbarkeit. Veränderungen bringen Unsicherheiten mit sich, die als bedrohlich empfunden werden. Evolutionär betrachtet war es für unsere Vorfahren entscheidend, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Alles, was neu oder unbekannt war, konnte potenziell gefährlich sein – ein Raubtier, ein feindlicher Stamm oder eine neue Krankheit. Auch wenn diese Bedrohungen in der modernen Welt seltener sind, hat sich dieses Muster in unseren Köpfen verankert.
In Unternehmen zeigt sich dieses Verhalten durch das Festhalten an bekannten Strukturen und Prozessen. Jede Veränderung birgt das Risiko des Scheiterns, und das Unbekannte wirkt oft abschreckend. Führungskräfte und Mitarbeiter, die für Stabilität sorgen, werden gefeiert und belohnt – ähnlich wie die Superhelden in unseren Filmen. Sie halten die Dinge am Laufen, bewahren die Ordnung und verhindern Chaos.
Der Wandel als Bösewicht
In dieser Kultur wird der Wandel oft als Zerstörer der gewohnten Ordnung angesehen. Jene, die radikale Veränderungen herbeiführen wollen, werden als Störer oder sogar als „Bösewichte“ wahrgenommen. Dies zeigt sich in Unternehmen, die vor tiefgreifenden digitalen oder strukturellen Transformationen stehen: Die Innovatoren, die neue Technologien oder agilere Arbeitsmethoden einführen wollen, werden oft als Bedrohung empfunden.
Der Vergleich mit Sauron oder Morgoth ist nicht weit hergeholt. In „Der Herr der Ringe“ wollen diese Charaktere die gesamte Weltordnung umstürzen und eine neue, dunklere Realität schaffen. In den Augen vieler Mitarbeiter sind Change Agents oder Transformationsteams, die radikale Veränderungen vorschlagen, ebenso wie die dunklen Lords der Fantasiewelt: Sie fordern den Status quo heraus und stellen vertraute Strukturen auf den Kopf.
Die Macht des Systems
Das Unternehmen als „System“ hat oft eine eingebaute Verteidigung gegen Veränderungen. Ähnlich wie in den Geschichten von Superhelden, die die bestehende Welt gegen alle Angriffe verteidigen, setzt auch das Unternehmen oft auf die Verteidigung des Bestehenden. Bestehende Machtstrukturen, Hierarchien und Prozesse bieten Sicherheit. Sie sind vertraut und wurden über Jahre hinweg aufgebaut.
„Wir machen das immer schon so!“
Transformation wird daher oft als Bedrohung empfunden, weil sie diese etablierten Strukturen infrage stellt. Es entsteht Widerstand gegen Wandel, da die Angst vor dem Unbekannten die Chancen der Veränderung überwiegt. Die „Helden“ des Unternehmens – jene, die für Kontinuität sorgen – werden gelobt, während diejenigen, die radikale Innovationen einführen wollen, auf Hindernisse stoßen. Dies führt dazu, dass Transformation oft als Kampf wahrgenommen wird, in dem die Innovatoren sich gegen das bestehende System behaupten müssen.
Wie Veränderung möglich wird: Die Rolle der „Antihelden“
Um Wandel erfolgreich zu gestalten, muss die Wahrnehmung von Veränderung geändert werden. Diejenigen, die Innovation und Transformation vorantreiben, sollten nicht als Bedrohung oder „Bösewichte“ angesehen werden, sondern als Wegbereiter einer besseren Zukunft. Sie sind die „Antihelden“ – nicht unbedingt beliebt oder bequem, aber notwendig, um das Unternehmen auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.
In vielen erfolgreichen Transformationsprojekten sieht man, dass diese Innovatoren nicht allein gegen das System kämpfen, sondern Allianzen mit den „Helden“ schmieden. Transformation gelingt, wenn die Kräfte des Wandels und die Kräfte des Erhalts zusammenarbeiten. Statt die bestehende Ordnung zu zerstören, können Change Agents und das bestehende System gemeinsam eine neue, stabilere und zukunftsfähigere Ordnung schaffen.
Zukunft gemeinsam erschaffen, statt die Vergangenheit zu erfahren
Der Kampf zwischen Superhelden und Bösewichten in der Filmwelt spiegelt unser tief verwurzeltes Bedürfnis nach Stabilität und unsere Angst vor dem Unbekannten wider. In Unternehmen zeigt sich dieser Konflikt, wenn Veränderungen anstehen. Um Transformation erfolgreich zu gestalten, muss der Wandel nicht als „Bösewicht“ verstanden werden, sondern als notwendiger Schritt in eine bessere Zukunft. Change Agents sollten als wichtige Akteure wahrgenommen werden, die nicht gegen das Unternehmen arbeiten, sondern es für die Zukunft stärken.
Unternehmen, die sich dieser Dynamik bewusst sind und die Transformation als Teil ihrer Kultur akzeptieren, haben eine bessere Chance, im Wettbewerb zu bestehen und langfristigen Erfolg zu sichern. Wandel ist keine Bedrohung – er ist die Voraussetzung für Fortschritt.