Als Führungskraft sehe ich mich oft wie das Salz in einem Gericht: ich verstärke den Geschmack, bin da, um das Beste herauszuholen, aber ich sollte nie dominieren. Es ist diese unsichtbare Rolle, die mich manchmal sowohl stolz als auch frustriert macht. Mein Ziel ist es, mein Team zu stärken, sie in den Mittelpunkt zu rücken und ihnen den Raum zu geben, in dem sie ihre eigenen Ideen entwickeln und zum Erfolg führen können. Doch während das Team wächst und gedeiht, bleibe ich oft im Hintergrund – manchmal zu unsichtbar, was zu persönlichen und professionellen Herausforderungen führt.
Gerade in hierarchischen Unternehmen kann es schwierig sein, wenn deine Arbeit, deine Inputs, schlicht nicht gesehen werden. Es ist ein eigenartiges Gefühl: Du weißt, du hast den Samen für den Erfolg gesät, hast ihn bewässert und beobachtet, wie er wächst, aber wenn es Zeit ist, die Früchte zu ernten, erntet jemand anderes den Applaus. Und in einem solchen Moment stehe ich vor einem Dilemma: Soll ich mich einmischen und sagen, dass es mein Input war? Oder bleibe ich meiner Philosophie treu, im Hintergrund zu arbeiten, das Team den Ruhm ernten zu lassen und darauf zu vertrauen, dass die Ergebnisse für sich sprechen?
In diesen Momenten denke ich oft an den „Salz-Vergleich“. Das Salz ist entscheidend für den Geschmack eines Gerichts, doch niemand lobt das Salz selbst. Wenn jedoch zu viel davon im Spiel ist, wird es übermächtig, und alles schmeckt nur noch nach Salz. Es ist ein feiner Balanceakt. Und so versuche ich, meinen Beitrag zu leisten – als unsichtbarer Verstärker des Ganzen, nicht als dominierende Zutat.
Der Samen im Boden
Was mich antreibt, ist die Überzeugung, dass Führung nicht bedeutet, immer im Rampenlicht zu stehen. Ich liebe es, Ideen in den Boden zu setzen – kleine Samen, die ich behutsam pflege. Ab und zu gieße ich sie, gebe ihnen ein wenig Licht und Raum. Doch dann lasse ich los. Wenn diese Ideen aufgehen und das Team sie übernimmt, entsteht etwas Größeres, als ich alleine hätte schaffen können. Manchmal wächst die Idee anders, als ich es mir vorgestellt habe, aber genau das ist das Schöne daran. Es wird eine kollektive Leistung, keine One-Man-Show. Der Erfolg gehört dem Team, nicht mir allein.
Aber das ist der Punkt, an dem es für mich persönlich schwierig wird. In einem Umfeld, in dem sichtbare Leistung zählt, wird man oft nicht gesehen, wenn man im Hintergrund agiert. Und das kann frustrierend sein. Es nervt, wenn der Eindruck entsteht, man hätte nichts geleistet – nur weil die Führung subtil war. Es gibt Momente, in denen ich mich frage: „Muss ich lauter für mich selbst sprechen? Muss ich hervorheben, was ich alles tue?“ Doch genau das widerspricht meinem inneren Antrieb, das Team in den Fokus zu rücken und nicht mich selbst. Und so stehe ich vor einem inneren Konflikt.
Der stille Erfolg und die persönliche Befriedigung
Wertschätzung in dieser Rolle kommt selten von außen. Es gibt wenige Momente, in denen andere klar sehen, dass man als Führungskraft den Samen für den Erfolg gelegt hat. Deshalb habe ich gelernt, den Erfolg stillschweigend zu genießen. Ich sage mir oft: „Cool, die Idee hat Früchte getragen.“ Und das ist genug. Doch hin und wieder verspüre ich diesen Drang, laut zu werden und zu sagen: „Seht ihr, das war meine Idee!“ Aber tief in mir weiß ich, dass es nicht darauf ankommt. Denn mein wahres Ziel ist es, dass das Team wächst und strahlt – und wenn sie das tun, dann habe ich meinen Job richtig gemacht.
Führung aus dem Hintergrund – ansteckend und inspirierend
Ich glaube, dass diese Art der Führung – aus dem Hintergrund, als Verstärker und Ermöglicher – ansteckend ist. Wenn wir anderen die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen, ihre eigenen Ideen zu entwickeln und Erfolg zu haben, dann schaffen wir nicht nur bessere Ergebnisse, sondern auch ein Umfeld, das von Vertrauen, Empowerment und echter Zusammenarbeit geprägt ist. Und das, glaube ich, ist die wahre Kunst der Führung.
Ich lade andere dazu ein, es auszuprobieren: den eigenen Stolz loszulassen und zu erkennen, dass es in Ordnung ist, nicht immer im Vordergrund zu stehen. Die Herausforderung, im Hintergrund zu agieren, kann manchmal schwer sein. Es kann frustrierend sein, nicht sofort Anerkennung zu bekommen. Doch es gibt nichts Erfüllenderes, als zu sehen, wie andere durch deinen unauffälligen Beitrag wachsen und aufblühen. Wenn der Erfolg des Teams deine Arbeit widerspiegelt, dann hast du als Führungskraft alles richtig gemacht – auch wenn niemand explizit deinen Namen nennt.
Am Ende ist es wie mit dem Salz: Man weiß, dass es da ist, weil es das ganze Gericht zum Strahlen bringt. Man muss nicht immer selbst im Rampenlicht stehen, um zu wissen, dass man einen wesentlichen Teil zum Erfolg beigetragen hat. So, wie Salz den Geschmack verstärkt, verstärke ich den Erfolg meines Teams – unsichtbar, aber unverzichtbar.