Die Gefahr von hierarchisch getroffenen Entscheidungen: Wenn Entscheidungen ohne Kontext und Expertise getroffen werden In vielen Unternehmen werden Entscheidungen oft von Personen getroffen, die entweder nicht über das notwendige Fachwissen verfügen oder von Hierarchien dazu gedrängt werden, sich durchzusetzen. Diese Entscheidungen basieren häufig nicht auf fundiertem Wissen, sondern auf Position, Einfluss oder Lautstärke. Ein klassisches…

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„Wer Entscheidungen allein trifft und von seiner Position überzeugt ist, zeigt Entschlossenheit – auch wenn er die nötige Expertise ignoriert „

Die Gefahr von hierarchisch getroffenen Entscheidungen: Wenn Entscheidungen ohne Kontext und Expertise getroffen werden

In vielen Unternehmen werden Entscheidungen oft von Personen getroffen, die entweder nicht über das notwendige Fachwissen verfügen oder von Hierarchien dazu gedrängt werden, sich durchzusetzen. Diese Entscheidungen basieren häufig nicht auf fundiertem Wissen, sondern auf Position, Einfluss oder Lautstärke. Ein klassisches Beispiel dafür ist die sogenannte HIPPO-Entscheidung („Highest Paid Person’s Opinion“), bei der die Meinung der ranghöchsten Person im Raum dominiert – unabhängig davon, ob diese Person tatsächlich die nötige Expertise hat. Solche unüberlegten Entscheidungen können zu schwerwiegenden Problemen in der Umsetzung führen, insbesondere wenn Abhängigkeiten und komplexe Zusammenhänge nicht berücksichtigt werden.

Zusätzlich spielt hier oft der Dunning-Kruger-Effekt eine zentrale Rolle: Führungskräfte, die ihre Fähigkeiten überschätzen, treffen Entscheidungen, ohne die nötige Kompetenz zu haben, und sind gleichzeitig zu wenig selbstkritisch, um externe Expertenmeinungen einzuholen. Dies verstärkt die negativen Auswirkungen solcher Entscheidungen und erschwert die Lösung der entstehenden Probleme.

Eine typische Geschichte: Hierarchische Entscheidungen und ihre Folgen

Stellen wir uns folgendes Szenario vor:

In einem Unternehmen wird eine strategische Entscheidung getroffen, ein großes Projekt innerhalb von drei Monaten umzusetzen. Diese Entscheidung kommt von einem hochrangigen Manager, der überzeugt ist, die richtige Entscheidung ohne weitere Abstimmung zu treffen. Der Manager setzt das Projekt hierarchisch durch, ohne die betroffenen Teams zu konsultieren oder eine tiefgehende Analyse der vorhandenen Ressourcen und Abhängigkeiten durchzuführen.

Der Dunning-Kruger-Effekt zeigt sich hier deutlich: Der Manager unterschätzt die Komplexität der Aufgabe, glaubt jedoch, das Projekt aufgrund seiner Position und vermeintlichen Kompetenz bewältigen zu können. Aus diesem Grund wird das Projekt gestartet, und es kommt schnell zu Problemen:

  • Unterschätzte Komplexität: Das Projekt ist weit komplexer, als der Manager angenommen hatte. Die umsetzenden Teams, die mit der Technologie vertraut sind, hatten keine Gelegenheit, die Risiken im Vorfeld zu benennen.
  • Fehlende Ressourcen: Es fehlen sowohl personelle als auch technische Ressourcen, um das Projekt in der vorgegebenen Zeit zu stemmen.
  • Nicht berücksichtigte Abhängigkeiten: Die Entscheidung wurde getroffen, ohne Abhängigkeiten zu anderen Projekten oder Abteilungen zu berücksichtigen, was Verzögerungen zur Folge hat.
  • Fehlende Kommunikation: Die Entscheidung wurde top-down gefällt, ohne die umsetzenden Teams mit ins Boot zu holen. Sie hatten keine Gelegenheit, ihre Bedenken oder Herausforderungen anzusprechen.

Die Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten: Das Projekt gerät ins Stocken, die Fristen können nicht eingehalten werden, und die Qualität des Endprodukts leidet. Schließlich wird das Team, das die Umsetzung verantwortet, zur Rechenschaft gezogen. Die Gründe für die Verzögerung werden hinterfragt, und es wird Druck ausgeübt, die Arbeit zu beschleunigen, obwohl die Herausforderungen von Anfang an klar waren.

Der Dunning-Kruger-Effekt und seine Rolle in der Entscheidungsfindung

Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen mit geringer Kompetenz dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Gleichzeitig fehlt ihnen die Fähigkeit, ihre eigenen Fehler und Wissenslücken zu erkennen. In einem hierarchischen Umfeld kann dieser Effekt besonders gefährlich sein, da Führungskräfte oft den Eindruck haben, aufgrund ihrer Position automatisch über die nötige Expertise zu verfügen.

Typische Anzeichen des Dunning-Kruger-Effekts in der Entscheidungsfindung sind:

  • Ignorieren von Expertenmeinungen: Menschen mit niedriger Kompetenz glauben oft, sie wüssten genug, um auf externe Expertise verzichten zu können.
  • Vereinfachung komplexer Themen: Es wird angenommen, dass komplexe Projekte oder Herausforderungen viel einfacher sind, als sie tatsächlich sind.
  • Fehlende Selbstreflexion: Es besteht eine geringe Bereitschaft, eigene Entscheidungen zu hinterfragen oder Feedback von anderen einzuholen.

In der hierarchischen Entscheidungsfindung können diese Faktoren dazu führen, dass wichtige Informationen übersehen werden und Entscheidungen getroffen werden, die nicht auf fundiertem Wissen basieren. Dies führt zu Projekten, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind – entweder aufgrund von unzureichender Planung, fehlenden Ressourcen oder ignorierten Risiken.

Die möglichen Auswirkungen solcher Entscheidungen

Wenn der Dunning-Kruger-Effekt und hierarchische Entscheidungsprozesse zusammenwirken, können die Folgen für das Unternehmen und das Team gravierend sein:

  1. Mangelnde Effizienz und Verzögerungen: Da wichtige Faktoren nicht berücksichtigt werden, verzögern sich Projekte häufig. Das Team wird gezwungen, unter Zeitdruck zu arbeiten, was die Qualität der Arbeit beeinträchtigt.
  2. Frustration und Demotivation der Mitarbeiter: Wenn Mitarbeiter merken, dass ihre Expertise ignoriert wird und sie für Fehler verantwortlich gemacht werden, die durch unüberlegte Entscheidungen entstehen, führt dies zu Frustration. Dies kann die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter stark verringern.
  3. Schlechte Kommunikation und fehlende Transparenz: Top-down-Entscheidungen fördern oft eine Kultur der mangelnden Kommunikation. Teams werden nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen und können daher nicht proaktiv auf Herausforderungen reagieren.
  4. Verlust von Vertrauen und Respekt: Wenn sich herausstellt, dass Entscheidungen von oben immer wieder scheitern, verlieren Mitarbeiter das Vertrauen in die Führungsebene. Dies kann das Arbeitsklima erheblich verschlechtern.
  5. Innovationsfeindliche Kultur: Eine strikte hierarchische Entscheidungsfindung hemmt die Innovationskraft. Mitarbeiter, die für ihre Fachkenntnisse nicht gehört werden, sind weniger bereit, kreative Lösungen anzubieten oder Risiken einzugehen.

Best Practices: Wie man den Dunning-Kruger-Effekt und schlechte Entscheidungen verhindern kann

Um die negativen Auswirkungen von hierarchisch getroffenen Entscheidungen und dem Dunning-Kruger-Effekt zu vermeiden, können die folgenden Ansätze helfen:

  1. Förderung einer kollaborativen Entscheidungsfindung: Entscheidungen sollten nicht isoliert an der Spitze getroffen werden, sondern in Zusammenarbeit mit den betroffenen Teams. Dies ermöglicht es, alle Abhängigkeiten und Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und realistische Zeitpläne zu erstellen.
  2. Agile Arbeitsmethoden einführen: Agile Methoden wie Scrum oder Kanban fördern eine iterativ-incrementelle Arbeitsweise und ermöglichen es, frühzeitig Feedback einzuholen. Entscheidungen können auf Basis von Echtzeit-Informationen getroffen und kontinuierlich angepasst werden.
  3. Fachliche Expertise einbinden: Führungskräfte sollten sicherstellen, dass diejenigen, die die tatsächliche Arbeit leisten, in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Fachliche Expertise kann dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu identifizieren und fundierte Entscheidungen zu treffen.
  4. Transparente Kommunikation und regelmäßiges Feedback: Eine offene und transparente Kommunikation ist entscheidend, um sicherzustellen, dass alle relevanten Informationen in den Entscheidungsprozess einfließen. Teams müssen über die Gründe für eine Entscheidung Bescheid wissen und die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern.
  5. Selbstreflexion fördern: Führungskräfte sollten regelmäßig ihre eigenen Entscheidungen hinterfragen und sich Feedback von Experten einholen. Dies kann helfen, den Dunning-Kruger-Effekt zu minimieren und realistischere Entscheidungen zu treffen.
  6. Kontinuierliches Coaching und Schulungen: Führungskräfte sollten geschult werden, wie sie Entscheidungen in einem kollaborativen und faktenbasierten Umfeld treffen können. Ein regelmäßiges Coaching kann helfen, die langfristige Qualität der Entscheidungsfindung zu verbessern.

Fazit

Hierarchisch getroffene Entscheidungen, die durch den Dunning-Kruger-Effekt verstärkt werden, führen oft zu Problemen in der Umsetzung und Frustration in den Teams. Unternehmen, die sich auf eine kollaborative, transparente und agile Entscheidungsfindung konzentrieren, können diese Probleme minimieren und gleichzeitig die Innovationskraft und Motivation ihrer Mitarbeiter stärken. Führungskräfte sollten lernen, Verantwortung zu teilen, Experten zu vertrauen und ihre eigenen Entscheidungen regelmäßig zu hinterfragen. So lassen sich langfristig fundierte Entscheidungen treffen, die den Erfolg des Unternehmens sichern.